Sensory Gate - Ianus Review

opusultimum.de [12/2009]
Das Geräusch eines abfahrenden Zuges sowie eine Lautsprecherdurchsage versetzen mich zu Beginn von „Crowd“ gedanklich an einen Bahnhof. Es folgt ein kurzes, prägnantes Intro, bevor Gesang und Instrumente fast zeitgleich einsetzen. Die weiche Stimme von Max Iannuzzelli fügt sich nahtlos in die dezenten Melodien der Instrumentalstränge ein, hebt sich aber dennoch deutlich davon ab. Während der Strophen treibt das „Synthie-Riff“ aus dem Intro, während dem Refrain kraftvolle Gitarren den Song voran und der ein oder andere Break sorgt für zusätzliche Abwechslung. Dadurch bleibt der Song ständig in Bewegung, die auch eine der Kernthemen des Textes ist. Ein gelungener Auftakt des Debütalbums, der meine Neugier auf die nächsten Songs noch verstärkt. Mit seiner verträumten Melodie sorgt „Laying hopes“ zunächst für ein Gefühl der Leichtigkeit, ja sogar für eine gewisse Schwerelosigkeit. Da mag der doch relativ melancholische Text im ersten Moment so gar nicht dazu passen; bildet aber genau deshalb einen interessanten Kontrast zur Musik. Aussagen wie „I love to float“ oder „I’m falling down, my feet won’t touch the ground“ bestätigen das Gefühl der Schwerelosigkeit und sorgen diesbezüglich für neue Perspektiven bei der Interpretation. Der Sprechgesang in der letzten Strophe sorgt dann endgültig dafür, über den Inhalt und Bedeutung des Liedes nachzudenken. Ein Song mit viel Tiefe hinter der scheinbar leichten Fassade. “Senseless“ fließt buchstäblich vor sich hin, Sounds und Gesang verschwimmen miteinander und der Song wirkt zunächst seltsam emotionslos. Gestört wird dieser Fluss durch unruhige Synthesizer-Passagen, die über diese Grundmelodie gelegt schon fast schmerzhaft in den Ohren klingen. Achtet man aber etwas genauer auf den Text, ist genau dieser „Schmerz“ eine hervorragende Ergänzung zu der Mischung aus Melancholie und Verzweiflung, die sich darin verbirgt. Sehr eindringlich wird es dann bei der Passage, in der Max den Text nur noch flüstert und den Song später auch so beendet. Senseless entfaltet sein Potential erst mit der Zeit und wer wie ich beim ersten Mal nichts damit anfangen kann, sollte sich dieses Lied auf jeden Fall mehrmals anhören. Fast jede Band hat einen Song, der spätestens bei Konzerten durch das Publikum zu einer Art Ritual wird. Sensory Gate machen es „Hallowed“ genau umgekehrt und haben damit tatsächlich so etwas wie eine Predigt im Gepäck. Der Song beginnt mit eindringlichem Sprechgesang, dessen Appelle mit „when it’s love that hallows everything“ enden. Es folgen helle, harmonische Instrumentalklänge und weicher Gesang, aus dem insbesondere das Wort „love“ in den unterschiedlichsten Zusammenhängen immer wieder hervorsticht. Diese Kombination erzeugt bei mir eine Wolke positiver Energie, in die ich immer mehr eintauche und am Ende des Songs sogar ansatzweise ein Gefühl von Erleuchtung habe. Willkommen in der Welt von Sensory Gate! Das Intro von „In the distance“ läßt zunächst einen eher ruhigen Song vermuten. Dieser erfährt aber mit Beginn der ersten Strophe insbesondere durch den abgehackten und fast monotonen Sprechgesang eine gewisse Unruhe. In meinem Kopf entsteht das Bild eines Spaziergängers, der in einer eher trostlosen Umgebung laut über die Gefühle nachdenkt, mit denen er sich gerade auseinandersetzt. Vor allem der Gesang ist sehr facettenreich und das hervorstechendste Element dieses Stückes. Von Flüstern über Sprechgesang und Singen bis hin zu Schreien zieht man einige Register, die Stimme musikalisch einzusetzen und vermittelt damit eine ganze Palette von Gefühlen zwischen Melancholie und Wut. Ein sehr eindringlicher Song, der auch einige Zeit später noch nachwirkt. Mit immer schneller werdenden Schritten sowie ein paar schiefen Klavierklängen beginnt „Murder 23“ und weckt dadurch die Erinnerung an alte schwarz-weiß Horrorfilme bzw. Krimis. Dieses Bild wird auch während dem Song immer wieder hervorgerufen; sei es durch orgelähnliche Synthesizerklänge während dem Refrain oder der Wiederholung des Klavierparts. Der musikalische Rahmen passt somit hervorragend zu dem Titel des Stückes. Mit dem Song präsentiert Sensory Gate ihre Interpretation der Welt, wie sie ein Serienmörder möglicherweise sieht. Dabei finden sowohl die Aufzählung diverser Mordarten wie auch die Gedanken-/Gefühlswelt des Täters Berücksichtigung. Als Hörer bewege ich mich zwischen Abscheu und Mitleid für den Protagonisten– eine interessante Gratwanderung und ein Songthema, das sicherlich auch als Grundlage für Diskussionen geeignet ist. Das Stück „Purgatory“ kombiniert orientalisch angehauchte Elemente mit Mönchsgesängen und erzeugt dadurch eine gewisse spirituelle Stimmung, obwohl der Song eher modern und flott klingt. Da der Gesang lange Zeit ausbleibt, geht man nach einer gewissen Weile davon aus, dass es sich um ein reines Instrumentalstück handelt. Automatisch schaltet der Kopf ab und man fängt an, ausschließlich die Musik zu genießen. Genau in diesem Moment setzt Max für eine Strophe mit einem Sprechgesang ein und stellt Begriffe wie „pain“, „remorse“ oder „regret“ in den Raum, die in völligem Kontrast zu den beruhigenden Klängen stehen. Vorbei ist es mit der Meditation, aber selten bzw. noch nie habe ich das Fegefeuer mit Entspannung verbunden. „Again“ ist eine Mischung aus Song und Erzählung, Max redet während der Strophen relativ unabhängig von Melodie oder Rhythmus. Das tut er mit einer sehr eindringlichen Art und Weise in italienischer Sprache, was sich nicht nur wunderschön anhört, sondern auch zutiefst berührt. Zusätzlich zu dem Italienisch verleihen weibliche Chorgesänge, die während den Strophen im Hintergrund erklingen, dem Stück einen weichen Charakter. Der Refrain wiederum ist auf Englisch und eher gitarrenlastig, was ihn vergleichsweise hart erscheinen lässt. Diese Mischung macht den Song sehr abwechslungsreich und vor allem sehr bewegend. Auch bei “Stay here” werden Elemente mit orientalischem Charakter verwendet, die durch die Sensory Gate-eigene Umsetzung gleichzeitig traditionell und modern klingen. Durch seine Leichtigkeit und durchweg harmonischen Klänge eigentlich schon fast eine „Pop“-Nummer, jedoch mit dezent melancholischen Einschlag. Und wer genauer auf den Text achtet wird feststellen, dass diese Melancholie dort ihren Ursprung hat. „Streets“ beginnt mit Gitarrenakkorden, die eine etwas rockigere Nummer erwarten lassen. Doch die wunderschönen Melodiebögen, die sich darüber legen, geben dem Song sofort eine ruhigere Note. Die Ballade à la Sensory Gate wird komplett, als der Gesang einsetzt: ein Duett mit Alia, deren Stimme perfekt mit der von Max harmoniert. Mit dem sehr melancholischen und berührenden Text ein Song zum Eintauchen, Abtauchen, Nachdenken, Träumen. Gänsehaut pur und für mich persönlich einer der besten Songs auf dem Album. Eine erste Version von „New dawn“ wurde bereits auf der „State of the Heart 2“-Compilation veröffentlicht, so dass ich sehr auf die Albumversion gespannt war. Diese ist wesentlich elektronischer gestaltet, insbesondere die Strophen sind instrumentell gesehen eher minimalistisch gehalten und richten den Fokus automatisch auf den Gesang und Text. Dadurch wirkt der Refrain mit seiner wuchtigen und ohrwurmverdächtigen Melodie noch kraftvoller, als er ohnehin schon ist. Ein Song, der bei mir für aufbruchsstimmung sorgt sowie Kampfgeist und Zuversicht weckt – großes Kino! Den Abschluss des Albums bildet mit „Ianus“ ein Stück, das schon fast in Richtung Industrial geht und mit verzerrter Stimme einzelne Worte in den Raum stellt. Eine Nummer, die in meinen Augen definitiv club-tauglich ist. Vielleicht denkt Sensory Gate ja über einen entsprechenden Remix nach – genug Erfahrung haben die Jungs schließlich mit so etwas. Mein Fazit: Sensory Gate vereint Elemente verschiedenster Stilrichtungen miteinander und liefert mit „Ianus“ ein sehr facettenreiches Album ab. Jeder Song beinhaltet eine Überraschung in irgendeiner Form und macht das Zuhören spannend. Die Band wird ihrem eigenen Anspruch bzw. Antrieb – nämlich Musik zu machen, die man so noch nicht gehört hat - definitiv gerecht. Das Debütalbum hat mich überzeugt, die Jungs haben ganze Arbeit geleistet und es bleibt nur noch, ihnen zu wünschen, dass die Scheibe den Weg in viele CD-Regale findet. Ich drücke die Daumen! (Vanessa Meidinger)


elektrauma.de [01/2010]

Von den Altheroen nun zu den Erneuerern der Musik. Vielleicht mag diese Ansage etwas pathetisch erscheinen, hat aber im Falle von Sensory Gate durchaus seine Berechtigung. Denn was sie auf ihrem ersten Album „Ianus“ präsentieren ist nichts Geringeres, als ein erfolgreicher Versuch, die Grenzen der Szene weiter nach außen zu verschieben. Die italienisch-deutsche Band ist dabei alles andere als „betriebsblind“ und nur auf die Schwarzgewandeten fixiert. Kopf der Band, Andrea Pozzi, ist ein Musikliebhaber. In den letzten Jahren hat er unter anderem für Kirlian Camera, Frozen Plasma, Klangstabil und Spectra*Paris zusammengearbeitet bzw. Remixe produziert. Und nebenbei ist er an der Vertonung von Dantes „Göttlicher Komödie“ beteiligt. Das allein spricht für sich: wir haben es hier mit Musikern zu tun, nicht mit irgendwelchen Halbscharigen, die ein Musikprogramm zu Weihnachten geschenkt bekommen haben und nun meinen, große Arenen füllen zu müssen. Sensory Gate, das kann man schon anhand der Vita also erkennen, steht für Qualität. Nun gilt es: Das erste Werk „Ianus“ ist zugleich ein kleiner Meilenstein der Gruppe, von der man mit an hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft noch mehr hören wird. Geschickt weiß das Duo, flirrende, leichtfüßige Elektronik mit akustischen und elektrischen Gitarren zu verbinden. Dabei sind die Stücke ruhig, melancholisch-molllastig, aber sie erschlagen einen nicht. Die Eingängigkeit eines Pop-Songs wohnt allen Stücken inne, wenngleich die Fassade drum herum tiefschwarz ist. Irgendwo zwischen Bernstein, Final Selection, Wolfsheim, Silke Bischoff, Diary Of Dreams und Diorama könnte man den Sound von Sensory Gate ansiedeln. Aber um wirklich den musikalischen Kosmos von Sensory Gate zu verstehen, ist ein Reinhören in „Ianus“ unumgänglich: „Crowd“ und “Laying Hopes” machen den Anfang und stimmen den Hörer auf eine wunderbare Reise ein. Der erste Höhepunkt ist mit „Senseless“ erreicht, der mit fluffigen Synthieakkorden den Hörer wirklich träumen lässt. Es ist diese dynamische Verbindung aus poppigen Rhythmen und breiten Flächen, die das Fundament der Stücke von SG bilden. „In The Distance (The Black Monolith)“ ist das Paradebeispiel für Pozzis Vorstellung, wie Musik zu klingen hat. Manchmal, wie bei „Murder 23“, ist das Duo um Andrea Pozzi und Max Iannuzzelli auch etwas aggressiver, bleibt aber dennoch wunderbar eingängig. Endlich, möchte man ausrufen. Musik, so schön und zerbrechlich wie eine weiße Rose, auf der Raureif liegt. Bitte mehr davon!


sparklingphotos.de [01/2010]
Ein interessantes Album steht uns Ende Januar 2010 ins Haus, wenn die italienische Band „Sensory Gate“ ihr überfälliges Debüt veröffentlicht, nachdem man zuvor bereits einige Remix-Arbeiten für solch illustre Bands wie Nine Inch Nails, Kirlian Camera, Frozen Plasma oder Collide angefertigt hatte und auf dem letzten Album von Klangstabil bzw. dem Kommenden des Kirlian Camera Ablegers Spectra*Paris mitwirkte. Sensory Gate wurde 2004 als Soloprojekt von Andrea Pozzi geboren, mittlerweile besteht die Band zudem aus Max Iannuzzelli, bedient sich bei ihrer Arbeit aber auch immer wieder Gastmusikern wie Bernard LeSigue (Diorama). „Ianus“ ist ein vielschichtiges Album geworden, das Eigenschaften aus Pop, Wave, Triphop und Synthpop miteinander vermischt und zu einem recht eigenständigen Ganzen verbindet. Los geht’s äußerst tanzbar mit „Crowd“ und dem verträumten „Laying Hopes“. Doch wie facettenreich „Ianus“ geworden ist, zeigen insbesondere Songs wie die sehnsüchtigen „In The Distance“ und „Stay Here“ oder das mit gregorianischem Mönchsgesang angereicherte „Purgatory“, die zwischen den Synthiewave-Songs für Abwechslung sorgen und keinerlei Langeweile aufkommen lassen. Zudem variiert die Band wie bei „Again“ auch geschickt zwischen englischen und italienischen Lyrics und könnte so eine Art „Exotenstatus“ in der Szene einnehmen. Gerade die immer wieder mitreißenden Melodiebögen wie bei „Laying Hopes“ sorgen beim Hörer für ein wohliges Gefühl in dieser kalten Jahreszeit. Überhaupt scheint „Ianus“ prädestiniert für die dunklere Zeit des Jahres und läd sowohl zu gemütlichen Abenden vor dem Kamin, als auch zum wärmenden Tanzen ein. Neben den heimeligen Songs hat es mir vor allem „Murder 23“ angetan, das durchaus Clubambitionen besitzt und mit rockigen Samplegitarren aufwartet. „Ianus“ ist ein wirklich schönes Debüt geworden und ich bin mir sicher, dass wir von Sensory Gate noch einiges erwarten können. (Michael Gamon)


reflectionsofdarkness.com [01/2010]
The Italian / German hybrid SENSORY GATE is already best known for the eclectic remix works they’ve done for artists such as SLEEPTHIEF, FROZEN PLASMA and most prominently for the veteran formation KIRLIAN CAMERA. At some point, however, the time had come to give life to own tracks. So, besides working on tracks for Dante's "Divine Comedy Project" an educational / artistic program conceived by Marino Alberto Balducci of Phoenix Foundation / CRA Inits, they started crafting material that’d grow in a constant ripening process to ‘Ianus’, a retrospection as well as a glimpse into the future. It is a ‘Crowd’ of people; our looks are being guided to on the first track. A little crowd, gathering in the masses of grey, worn-out faces, seeking something beyond decay, beyond what’s holding their hearts captive! They set out for a journey “into the unknown”, not knowing when or where they’ll find what they’re looking for, but everything seems better than what it’s like now. The first piece of the album is carried by a vibrant pulse, emerging from the organic drums and rolling bass mumblings who find their counterpart in the lush melancholy that at the same time bears feelings of hope and fear. Saddening washes of strings wash up on forlorn shores not far from which “...once were houses where you could live”. Now, all that’s left are ruins, ruins of times long gone, missed chances and lost love. And just like this person must have felt when walking through these ruins in their mind, the listener is going to feel on ‘Laying Hopes’, a soul-gripping piece of plaintiveness drenched in acoustic fragility. Out of engulfed paths, enigmatic melodies meander towards you. Other times they seem like little drops of water, touching the surface of a subterranean lake creating cavernous atmospheres. It’s just the beginning of what eventually leads into an elaborate build of drums and majestic orchestral flashes. But the feeling you get when listening to ‘Senseless’ isn’t exhilarating. All the time it’s like lying awake at night and being haunted by ghosts of painful events that all come back at night, stealing the strength from you piece by piece, and in those moments you often think it’d be better to feel nothing anymore to end the terror. With ‘In The Distance (The Black Monolith)’, there comes a chilly mood into your rooms, yet it’s not frigidity that reigns here. There’s a subdued emotional undercurrent, surfacing more and more throughout the song and at one point abruptly erupting into a desperate outcry “Escape from here.” A very special song, at least for me, comes with ‘Stay Here’. I loved it from the very first second due to its natural character. It’s natural in the way it melds synth aesthetics with acoustic orchestration. At no point in that song you’ll have the feeling of these two components not belonging together exactly as they are being presented here. They’re flowing seamlessly into one another with a third stream that is the vocal delivery. It is the very last resort of a man trying to keep the person he loves from leaving. He’s ready to subjecting himself completely “…Wash away the sin from me you fear.” He’s doing it for candid love. Now let’s follow “…a wandering king without a throne” in ‘Streets’. That king’s fate could be the one of me or you just as well. A restless soul, fighting each day on his own but deep inside seeking for a place to finally come to rest! ‘Streets’ draws upon down-tempo rhythms to comply with the rather atmospheric synth build wrapped around them. Adding to that remarkable mood is also the earthly bass work of Bernard le Sigue, whose low-tone melodies can be heard at any second and give the song even more colour. The song’s vocal section comes up with a duet of Max and alia this time who has been lending her voice to ‘In The Distance’ already. I think that the two voices harmonize extremely well together, even though their timbre is different. Well, with the title track arising, the end does as well, and what an unusual end. Its industrial sound alone already sets it apart from the rest, but with the alienated voice, mentioning words such as “backwards, forward” it could as well be a song of a different band. So what’s to say about SENSORY GATE’s debut album ‘Ianus’ in the end? Let me put it this way. It’s like one of those releases usually coming in autumn. Those you didn’t really have on the bill and that turn out being one of the highlights. It’s something like that with this album, only that the year’s just begun. Many people will be completely surprised by how well-crafted this is. It will appeal to both people who’re looking for bands thinking outside the box, taking in diverse influences, and those seeking tunes with pop appeal which these tracks do have. Not the kind of mainstream pop appeal though. Before I wrap this off, one word about the artwork! It may be looking simple from its imagery but connected with the lyrics and the music, the meaning will expand way beyond the visual. What I actually wanted to say was: This record is worth every single cent.


madgoth.de [01/2010]

Das Jahr 2010 ist noch jung und hatte demnach noch nicht fürchterlich viele Möglichkeiten, musikalische Überraschungen zu präsentieren. Ende Januar ändert sich das aber, denn dann betreten SENSORY GATE mit ihrem Debütalbum “Ianus” endlich richtig die Musikbühne. Wem in dieser fürchterlich kalten Jahreszeit der Sinn danach steht, das Herz wenigstens durch Musik gewärmt zu bekommen, sollte an dieser Stelle weiterlesen, denn “Ianus” ist Musik mit Gefühl. Viel mehr Gefühl. Bei Sensory Gate handelt es sich um eine deutsch-italienische Band, die  im schönen Jahre 2004 zunächst als Soloprojekt von Andrea Pozzi gegründet wurde. Zunächst beschäftigte sich man mit Remixen für Bands wie Collide, Nine Inch Nails oder Kirlian Camera. Für die Nachbearbeitung von “Tora Firome” von Dark Territory schloß sich zunächst Daniele “Manguss” Cagnotto dem Projekt für die ein oder andere Handarbeit an der Gitarre an. Ein paar Wochen später folgte Max Iannuzzelli und -schwupps- schon war Sensory Gate eine richtige Band.  2008 folgten ein paar Gemeinschaftsarbeiten mit anderen Bands, so unter anderem Klangstabil. 2009 beschloss Daniele Cagnotto, die Band zu verlassen. Wegen anderer musikalischer Interessen, wie es heisst. Die ein oder andere Spur hat er dennoch in einigen Songs des Debüts hinterlassen. Das nur als kurzer Abriss zur Vita der Band. Woher sie kamen und was sie in ihrem Leben vor Sensory Gate machten, interessiert so manchen Musikfreund aber oftmals leider eh nur peripher. Entscheidend ist das hier und jetzt. Und dem wollen wir uns nun auch endlich mal widmen. Um es vorab in einem prägnanten Satz zusammen zu fassen: “Ianus” ist zeitlos schöner Elektro-Alternative-Pop, angefüllt mit schwebenden, sofort ins Ohr gehenden Melodien und einer wunderbar melancholischen (nicht wehleidigen!) Grundstimmung. 12 Songs hat das von Ein-Mann-Projekt zum Trio gewachsene und zurück zum Duo geschrumpfte Projekt auf dem vorliegenden Silberling versammelt. 12 Songs, die so arrangiert wurden, dass keines der einzelnen Bestandteile – seien es nun die angenehm vielfältige Instrumentierung (von obligatorischen Drums, Gitarren und Piano bis hin zu gefälligen, weil unaufdringlichen Synthie-Spielerein ist hier alles mögliche dabei) oder der charmante, weil ohrschmeichelnde Gesang – sich besonders in den Vordergrund drängt. Das verschafft den hübsch komponierten Songs die nötige Luft, den nötigen Freiraum die sie brauchen, damit die sehr luftigen Songs ihre volle Wirkung beim Hörer erzielen können. Und die reicht von himmelhochjauchenzd bis zu Tode betrübt. Und das, obwohl die Songs akustisch weder in das eine Extrem noch ins andere abdriften. Bereits das Eröffnungsstück “Crowd” zeigt sehr deutlich auf, in welche Richtung der Rest des Albums gehen wird: ein Höchstmaß an eingängigem “easy listening”, das bitte nicht, unter keinen Umständen, mit Kaufhausmusik gleichzusetzen ist! Damit würde man diesem zauberhaften Debüt sehr Unrecht tun. “Ianus” erscheint in einer Zeit, in der unser Land teilweise mit heftigen Schneemassen zu kämpfen hat und die Temperaturen ausreichen, um so manches Gesäß um diverse Frostbeulen zu bereichern. Diese Winterwunderwelt kann durchaus sehr schön sein, melancholisch veranlagte Menschen haben in dieser Zeit aber sicherlich so manches Kreuz zu tragen. Wer nun also sinnsuchend und stumm den Tag verfluchend durch die Schneemassen stiefelt, sollte sich mal “Ianus” über Kopfhörer zu Gemüte führen. Ganz still und heimlich wärmen die hier versammelten Songs das Herz, ohne das der Hörer dabei mit Heile-Welt-Kitsch eingelullt wird. Viel mehr ist es so, dass Sensory Gate, ähnlich den stilistisch ähnlichen Escape With Romeo, es schaffen, dass man sich in der guten Stunde Laufzeit des Albums einfach gut fühlt. Geborgen. Angekommen in einer Klangwelt, die eine Art musikalisches Zuhause bietet. Mit “New Dawn” zum Beispiel haben Sensory Gate gleich auf dem Debüt, gleich zum Jahresbeginn, einen der Songs geschaffen, von dem man am Ende von 2010 sagen wird, es sei einer der schönsten gewesen, den dieses Jahr hervorgebracht hat. Das italienisch-englische “Again” wird manchen Musikliebhaber unweigerlich an “Gridami” der klangstabilen Labelkollegen denken lassen. Kein Wunder, denn “Gridami” stammt aus der Feder von Sensory Gate. Großartig ist übrigens auch das Stück “Purgatory”, das passenderweise mit gregorianischen Gesängen aufgepeppt wurde, um dem Inhalt die nötige Dramatik zu verleihen. Man könnte sich wohl noch seitenlang über “Ianus” auslassen, belassen wir es an dieser Stelle jedoch mit folgender Erkenntnis: Nicht dem Zeitgeist verhaftet, jenseits aktueller Trends und doch angereichert mit einer spannenden Mixtur aus Electro, Pop, Rock, Ambient und Weltmusik ist “Ianus” ein Album geworden, das man auch in Jahren gerade in besinnlicheren Abendstunden immer wieder gerne hervorkramen wird, um sich für eine Stunde aus der kalten, bösen Wirklichkeit entführen zu lassen. Einfach weil es gut ist. Einfach weil es gekommen ist, um zu bleiben. Sensory Gate ist eine Band, die ich bis zum Erhalt dieses Albums so rein gar nicht auf dem Schirm hatte. Wie auch? Jemand, der bislang nur mit Remixen in Erscheinung getreten ist, löst bei mir höchst selten “oh ja, doch…!” Reflexe aus. Vor dem ersten Hördurchgang war ich dennoch gespannt, was mich erwarten würde. Immerhin erscheint “Ianus” beim Label Megahertz, wo auch die Electrokappellgroßmeister Klangstabil zuhause sind. Und auch wenn “Ianus” nicht den Assoziationen entsprach, die die Begriffe Megahertz und Klangstabil bei mir auslösen, so war “Ianus” große Überraschung und großes Hörvergnügen gleichermaßen. Das Jahr 2010 hat mit “Ianus” ein erstes musikalisches Highlight bekommen und ich würde mich nicht wundern, wenn wir “Ianus” in der Jahresendauswertung wiederfinden. Bevor ich hier nun aber weitere Superlative verbrate, lassen Sie mich es bitte so sagen, Ladys & Gentlemen: Fantastisches Debüt!


uselinks.de [01/2010]
Das „Unternehmen“ Sensory Gate begann in 2004, damals noch als Solo-Projekt von Andrea Pozzi. Erste Sporen verdiente sie sich als Remixerin für Bands wie Nine Inch Nails oder Kirlian Camera. Im Verlaufe dieser Remixarbeiten geknüpfte Kontakte erweiterten dann schließlich „Sensory Gate“ zu einer Band. „Ianus“ ist nun das Debütalbum, welches via MHz Records unters Volk gebracht wird. Rein genretechnisch dürfte sich das Duo über die Schublade „Synthiepop“ nicht unbedingt beschweren. Schon der Opener „Crowd“ erinnert mich in den Strophen an Wolfsheim`s „The Sparrows And The Nightingales“, die ganze Zeit habe ich wirklich darauf gewartet, dass mir der entsprechende Refrain um die Ohren geschmettert wird. Dieser bleibt natürlich aus und der Vergleich zu Wolfsheim hinkt auch ein wenig. Sensory Gate klingt weitaus organischer, eher wie eine Poprockband als die synthetischen Wolfsheim. „Crowd“ sowie das folgende „Laying hopes“ sind klebrige Popperlen, die im Ohr hängen bleiben. Auch im weiteren Verlauf des Albums werden dem Hörer Popsongs untergeschoben, die man zumeist öfter hören muss, um sie völlig zu erfassen. Denn rein oberflächlich betrachtet oder besser gehört unterscheiden sich Sensory Gate nicht allzu sehr von radiotauglichen Chartbreakern. Man muss sich schon auf „Ianus“ einlassen, um den inneren Kern der Songs zu erkennen und Sensory Gate machen es dem Hörer leicht, indem sie sich von verschiedenen Facetten zeigen und Abwechslungsreichtum großschreiben. „Hallowed“ beginnt zum Beispiel eher wie eine Predigt und wenn hier immer von Pop die Rede war und das eventuell den ein oder anderen verschrecken sollte, hole ich für das abschließende „Ianus“ die Genrebezeichung Industrial Rock aus dem Genreschubladenkasten hervor. Sensory Gate vereinen viele Elemente und Stilrichtungen zu einem ganz eigenem Klangkosmos. Wenn man schon was zu meckern finden möchte, dann vielleicht, dass man hier und da eventuell ein wenig zu glatt poliert wirkt. Doch das Debütalbum überzeugt über weite Strecken und offenbart nur wenige Schwächen. Da der Band ein clubtauglicher Track fehlt, wird man zwar in den schwarzen Tanztempeln nur wenig von „Ianus“ zu hören bekommen, dafür eignet sich das Album perfekt, um das derzeit vorherrschende „Grau in Grau - Wetter“ für einen Moment zu vergessen. CD in den Player, Kopfhörer auf und Augen zu!


versacrum.com [02/2010]
Album d'esordio per i Sensory Gate, duo italo-tedesco (Andrea Pozzi e Max Iannuzzelli) già attivo da diverso tempo ed autore di remix per gente come Kirlian Camera, Spectra*Paris, Frozen Plasma e forti di una collaborazione con Klangstabil. Ianus è un disco decisamente buono, le cui dodici tracce sono caratterizzate da un costante velo di malinconia ed i cui testi parlano di vita ed esperienze quotidiane. Musicalmente siamo al cospetto di un lavoro assai vario, che spazia dall'elettronica al rock alternativo (personalmente vi ho ravvisato reminescenze del sound di bands come Diorama, Silke Bischoff-ascoltate "In the distance"- e Behind The Scenes), con la costante di arrangiamenti e soluzione sonore di ottimo livello. Tra i migliori episodi citazione per "Laying hopes", "Murder 23", "Senseless", mentre "Purgatory" è un buon esempio della versatilità dei Sensory Gate, suonando come un pezzo degli Enigma; tra gli episodi meno convincenti, inevitabile citazione per "Again", brano cantato in un italiano un po' approssimativo e che non può non ricordare analoghi (censurabili) episodi dei Klangstabil: decisamente meglio continuare ad affidarsi all'inglese. Nel complesso, Ianus è comunque un disco assolutamente interessante e pregevole che auguro possa portare ai Sensory Gate le soddisfazioni che meritano. (Candyman)


zillo [02/2010]
Mit "Crowd" liefern Sensory Gate einen dezenten, elektronischen Einstieg in ihr neues Album "Ianus", das nicht weniger elektronisch mit dem Song "Laying Hopes" weitergeht. In dessen sanfte Melodie fügt sich angenehm die weiche Stimme von Max Iannuzzelli ein. Er und sein Kollege Andrea Pozzi (Electronics & Programming) bilden die Basis des deutsch/italienischen Projekts Sensory Gate. Musikalisch unterstützt werden sie bei einigen Songs noch von Gitarrist Massimo Spezza und Bassist Bernard Lesigue, obgleich die musikalische Betonung durchgängig auf elektronisch-poppigen Arrangements liegt. Sehr originell ist beispielsweise der Einstieg von "Murder 23": Hier hört man zunächst Schritte, sie werden schneller und gehen schließlich in einen elektronischen Rhythmus über. Ins Ohr springen zudem die Männerchöre bei "Purgatory", die choralen Frauengesänge bei "Again" sowie die Unterstützung der Gastsängerin Alia bei den Songs "In the Distance" und "Streets". Obwohl alle 12 Songs auf "Ianus" vom Tempo her immer recht ähnlich sind, kommen - je öfter man das Album hört - immer mehr Feinheiten der elektronischen Klangspielerein zum Vorschein. Insgesamt eine sehr angenehme und entspannende Platte! (Sommerhäuser)