Klangstabil - Vertraut Review

fahrplan-schwarz.de [06/2010]
klangstabil, das sind Boris May und Maurizio Blanco und sie sind schon seit ihrer Gründung 1994 ein Geheimtipp in der Industrial/Electro Szene. Gleichermaßen spalten sie auch die Industrialszene. klangstabil verwenden nicht nur typische krachige und verzehrte Industrialelemente, sondern sie arbeiten auch verschiedenste Grundelemente aus Pop und anderen Stilrichtungen mit ein, so dass ein, für den Industrial sehr untypisches melodiöses Gesamtbild entsteht. Erste Anklänge dahingehend hört man schon auf ihrer 2004 erschienenen „Taking Nothing Seriously“. Einen riesen Schritt nach vorn machten sie mit ihrem letzten Album“ Math & Emotion“. Mit Diesem haben sich die Rottenburger ein kleines Denkmal gesetzt. Nachdem sie ihren Duktus gefunden und auch durchgesetzt haben, überraschen sie alle Fans und die, die es noch werden wollen, mit einer Remix EP zur Kulthymne „Vertraut“ .Das bisher nur online erhältliche Tonkunststück, welches Bestandteil der vorletzen Onlineveröffentlichung „ArchiveOne“  ist, wird auf „Vertraut“ in neun völlig unterschiedlichen Remixen von verschiedensten Künstlern reproduziert und geremixt. Boris und Maurizio konnten keine anderen als Torben Wendt (Diorama),  Keef Barker, Daniel Myer (Haujobb) oder die Downtempo-Legende Access To Arasaka für einige der Remixe gewinnen. Jetzt auf die einzelnen Mixe und Überarbeitungen einzugehen wäre eine zu komplexe Aufgabe und würde ein Lexikon an positiven Adjektiven füllen. Es gibt nur zu sagen, dass jeder Song für sich brillant ist. Keiner gleicht dem anderen und erinnert meist nur in dem eindeutigen Sample einer sehr intimen Therapiesitzung oder in der wunderschönen Grundmelodie an das Original von Klangstabil‘s „Vertraut“.  Als weiteren Leckerbissen gibt es zwei neue Stücke; die da wären „Der zweite Schritt“ und „Ein Schritt weiter“. Hier wird die angesprochene Therapiesitzung weitergeführt und bringt mehr Aufschluss über das vielschichtige Wesen der psychischen Welt von klangstabil. klangstabil wollen mit ihrer Musik berühren. Boris und Maurizio verpacken Gefühle in Noten und versetzen den Hörer mit jedem Ton in ihre klangstabile Welt. Das haben sie mit „Taking Nothing Seriously“ und“ Math & Emotion“  gezeigt. Genau diese Gabe haben sie scheinbar auf die Künstler übertragen, die sie bei der neuen Silberscheibe unterstützt haben. Obwohl „Vertraut“ diesen Titel in 9 Versionen enthält, ist „Vertraut“ ein kleines Wunder an vielseitiger elektronischer Musik wie es manch anderes Album von anderen Bands nie sein wird. Besonders emotional und hörenswert sind auch die Liveauftritte der Klangkünstler die ihr euch unbedingt mal ansehen solltet.  (S.G. / 10 von 10 Punkten)


reflectionsofdarkness.com
[06/2010]
Excerpts from a therapy session, where you’re laying your innermost feelings bare, aren’t exactly something you’re keen to share with the world normally. Yet it is what Boris May did when embedding them into ‘Vertraut’, which has become a celebrated closer at KLANGSTABIL gigs, I never had the honour to witness up to now. This acclaimed track now has been compiled together with an array of renditions and two previously unknown pre-versions of familiar material. The intimacy and heartfelt character of these recorded moments are clear to anyone who’s only listened to the first words, sweeping along on spherical fractals, connecting to clusters of density. I think it’s taken a whole lot of courage to make those private moments public, but apparently it was necessary. The vulnerability revealed here and the seemingly striking distance make you hold your breath, not to disturb with anything here. SOMATIC RESPONSES now are going to shake the song’s fabric by tearing part of its build apart harshly, uncovering raw undergrowth. Remixes by Torben Wendt of DIORAMA are rare, but if he chooses to do one you can always be sure you’re not getting something half-baked or ill-conceived - as is the case with the ‘For a friend’ remix he did of ‘Vertraut’. It’s swimming in placid waters until there’s a persistent, eclectic beat coming, rippling the clear surface, getting spiced up with masterful, melodic riffs. Not being a newbie to ACCESS TO ARASKA I could tell by simply seeing he’s contributing a remix that this was going to steer far away from ordinary structures and formulatic approaches, and I was right! With its complicated rhythm approaches, glitches and melodies it’s truly an exception amongst the stuff presented. KEEF BAKER rather opts for a more organic sounding variation. If it weren’t for those electronic bursts happening, you could call it a divergent view on calm independent rock. Also Daniel Myer offers a reconstruction of ‘Vertraut’. Not being shaped as much abstract as some of the other remixer’s works, it’s aurally rendering complex human emotions with beautiful melodies, taking the original lines as basis and enhancing them. The ‘Rejected’ remix by L’OMBRE does have beauty also, but disrupts it with fuzzy basses, noise and glitchy sound gimmicks. You recognize things used in the final version of ‘Away’ and yet ‘Zweiter Schritt’ is not the same as that track, built much rougher and having another excerpt from a therapy session taking place long after the one heard on ‘Vertraut’, and things have inarguably changed. ‘Ein Schritt weiter’, the pre-version of ‘Beziehungsohr’, hardly could be more differing from the final product. The speech samples are still there but the environment has been drastically changed. ‘Ein Schritt weiter’ is purest ambient and ambience while ‘Beziehungsohr’ is forceful with both edgy rhythms and melodies. We could argue whether releasing a CD mostly filled with remixes is necessary and everyone would find points for or against, but fact is, none of the remixes sounds like the one before or afterwards and they have enough unique facets not to be considered filler material to get the disc packed. Also both the pre-versions are nothing like their final counterparts. The bottom line: This collection is highly recommended!


uselinks.de
[06/2010]
Klangstabil, bestehend aus Maurizio Blanco und Boris May, sahen und/oder sehen ihre Musik als eine Art Forschungsarbeit an. Sie stellen sich Fragen zur Entstehung von Tönen, zu dem, was mit Menschen passiert, wenn sie bestimmte Dinge hören, und dergleichen mehr. Zu Veröffentlichungen und Konzerten kamen sie mehr oder minder wie die Jungfrau zum Kinde. Nicht ganz so unverhofft erscheint nun "Vertraut", ein liebgewonnener Klassiker der Fangemeinde, als Re-Mix EP, auf der sich Künstler wie Daniel Myer, Somatic Responses oder Keef Baker austoben durften. Grob gesagt geht es um Therapiegespräche, um Trennung und um das Ergründen. Nun kann man eine solche EP, auf der das stets gleiche Lied im neuen Kleid (plus "Zweiter Schritt" und "Ein Schritt weiter") einem in zehn verschiedenen Versionen begegnet, nicht bewerten wie eine "normale" Veröffentlichung. Gewöhnlich schaut man sich die einzelnen Lieder an, ihren Gesamtkontext, und das eine oder andere Detail, das einem auf (von Rezi zu Rezi anderen) Wegen zu der Erkenntnis bringt "Das is' ja Klasse!" oder "Oh bitte nicht..." Grob gesagt. Hier aber ist das schwieriger, denn es geht ja quasi um dasselbe, nur in je anderer Ausdrucksweise. Der eine Künstler verleiht der Geschichte Aggression (z.B. Somatic Responses), der andere Zerbrechlichkeit (z.B. Daniel Myer). Es ist als erzählten zehn Personen dieselbe Geschichte, aber eben aus ihrer Sicht der Dinge. Und genau so fühlt "Vertraut" sich auch an. Zehn Blickwinkel, zehn Arten des Verstehens oder Unverstehens. Im Gesamtbild wechseln sich Härte und Sphäre ab wie das Wetter an einem Apriltag. Treu wird dem Original (auf Position sechs) jedoch immer geblieben. Man merkt den agierenden Künstlern ihren Respekt vor dem Werk der Herren Blanco und May an. Trotzdem scheut sich niemand, "Vertraut" einen ganz eigenen Touch zu verleihen. Somit fällt es auch schwer, einen Tipp aus der Mitte der Interpretationen zu wählen, da das Level aller Tracks gleich gut und hoch ist. Als persönlicher Anspieltipp mag einmal der "Wizballs Out! RMX" von Keef Baker genannt werden, da er Electronica, Rock, und die Aura des Originals in treibender, facettenreicher und absolut gekonnter Manier vereint. Ja, man könnte behaupten, diese Version hebt sich im Endeffekt doch erkennbar von den übrigen Versionen ab. Keef Baker verleiht "Vertraut" nämlich eine gewisse Frische und Energie, die andernorts fehlt oder sich einfach zu arg zurückhält. Die EP bildet eine kleine Gedankenreise - als spräche man mit einer Gruppe von Personen über dasselbe Ereignis, aber eben unabhängig von einander. So begibt man sich in ein Labyrinth, von dem man nie ganz so genau weiß, was einen an der nächsten Kreuzung erwartet. Vielleicht die "For a Friend" Version von Torben Wendt, in der es mächtig dunkel und industriell zugeht? Oder eher der im ersten Moment an Filmmusik erinnernde "Ostball-RMX" von Synapscape? Im Zentrum immer die eine Frage, die von einer Therapeutinnen-Stimme mit Lullaby-Effekt, vorgetragen wird: "Und warum lieben Sie Anke?" Eine Frage eventuell, die man sich auch im Alltag öfter stellen sollte. Auch wenn es nicht um Anke geht. Unterm Strich kann man über "Vertraut" nur das eine sagen: Es ist eine wundersame Reise durch elektronische Landschaften, in der steile Klippen weite Heiden ablösen, Sphäre und Härte einander mal die Hand zum Tanz reichen oder einander misstrauisch beäugen. Die Qualität ist hoch. Die Stimmung schwankt zwischen Ruhe und Zerbrechlichkeit und wahren Stürmen, die sich aufbäumen um Zerstörung anzurichten. Es ist äußerst interessant zu sehen, auf wie vielen unterschiedlichen Wegen man sich hier dem Original gewidmet hat und was am Ende dabei heraus kam. Eine Empfehlung ist "Vertraut" in jedem Falle. Leichte Kost aber nicht.


musikreviews.de [06/2010]
Im Jahre 2002 erschien auf dem Maschinenfest-Sampler ein Song des Duos KLANGSTABIL mit dem Titel "Vertraut". Der inzwischen zum Klassiker gereifte Track war mir bis vor Kurzem nicht bekannt, umso erfreuter bin ich, ihn nun kennengelernt zu haben. Wegen der hohen Nachfrage wurde besagter Track nämlich kürzlich auf einer EP (die gehobene Albumlänge hat) wiederveröffentlicht und acht mal von mehr oder weniger namhaften Remixern veredelt. Man kann natürlich geteilter Meinung darüber sein, ob es wirklich nötig ist, neun Versionen ein und desselben Songs zu veröffentlichen, die Qualität des Titeltracks rechtfertigt dies aber in Gänze. Eingeleitet wird "Vertraut" von einem eindringlichen Sample eines Gesprächs zwischen einer Psychologin und ihrem Patienten. Ob es wirklich stimmt, dass dies ein Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen einem der Bandmitglieder und der Psychologin ist (das hat Google jedenfalls verraten), sei dahin gestellt, Tatsache ist aber, dass dieses Gespräch, das eine komplizierte Beziehung zu einer gewissen Anke thematisiert, dafür sorgt, dass der Hörer sofort in eine nachdenkliche Stimmung gerät. Darauf aufbauend entfaltet die eingängige und düstere Melodie des Songs eine enorme Wirkung und lässt den Song schnell zu Herzen gehen. Musikalisch getragen von experimenteller, leicht krachiger Electronica ist dieser Song zum einen absolut clubtauglich, zum anderen muss man ihn einfach kennen und mögen. Die acht Remixe des Songs sind höchst unterschiedlicher Natur. Mal steht die Melodie im Fokus, dann wiederum die kühle Atmosphäre. Besonders die Version von Dioramas Torben Wendt begeistert, denn er variiert die Melodie gekonnt und gibt dem Song durch die Hinzunahme von elektrischer Gitarre noch mehr intensive Atmosphäre, die Gänsehaut verursacht. Ebenfalls mit von der Partie ist Altmeister Daniel Myer (Haujobb, Destroid, Architect), der ebenfalls einen fantastischen Job macht. Seine Version startet sehr ruhig, fast ohne erkennbaren Beat und steigert sich immer weiter, auch die verwendeten Akustikgitarren sind enorm reizvoll. Wer es komplexer und auch krachiger mag, kommt bei den Remixen von Somatic Responses und Synapscape auf seine Kosten, recht kühl und mitunter chillig sind die Bearbeitungen von Access To Arasaka und KSDJ. Keef Baker unterlegt "Vertraut" mit einem fast schon rockigen Beat und pendelt stets gekonnt zwischen eingängig und vertrackt, lediglich der Remix von L'Ombre gefällt weniger, da er recht weit weg vom Original ist. Als Zugabe gibt es Vorabversionen von zwei weiteren KLANGSTABIL-Tracks, die das Anke-Thema fortführen und ebenfalls mit eindringlichen Samples aufwarten. Musikalisch sind "Zweiter Schritt" und "Ein Schritt weiter" ruhiger, als "Vertraut", allerdings machen sie auch sehr neugierig auf das nie veröffentlichte Album "Kopfmusik", von dem sie ursprünglich stammen. Vielleicht liegt es an der Intimität des Themas, dass dieses Album nie vollständig das Licht der Welt erblickte und es wohl auch nicht mehr tun wird. FAZIT: Allein schon für den wunderbaren Titeltrack lohnt sich die Anschaffung dieser EP und zumindest die Fans von Diorama und der Arbeit von Daniel Myer sollten sich diese Veröffentlichung ins Regal stellen. (Andreas Schulz)


gothtronic.com [07/2010]
On this release of Klangstabil you find no less than 8 versions of the track that attracted much attention in 2002 and would become Klangstabil’s most well known track. With such a strong original it is hard to deliver a series of interesting remixes yet Ant-Zen has managed to attract good electronic projects to remix this song with its recognizable rhythm pattern and beautiful melodies. The best remix is the one by KSdj who actually is Maurizio Blanco himself, who turned the track into a modern dance floor smasher. Also nice are the breakbeat remix by Somatic Responses, the melodic remix by Diorama’s Torben Wendt, the atmospheric remix by Daniel Myer and the electro meets postrock remix by Keef Baker. Furthermore you’ll find on this EP the tracks ‘Zweiter Schritt’ and ‘Ein Schritt Weiter’, which are early versions of what would become the tracks ‘Away’ and ‘Beziehungsohr’ that can be found on the later releases Taking Nothing Seriously and Math & Emotion. These tracks were originally together with ‘Vertraut’ meant for a release titled Kopfmusik, but this never was realized. Nice to see these tracks return in different versions after all.


medienkonverter.de [07/2010]
Schon 1994 haben Maurizio Blanco und Boris May klangstabil gegründet. Es dauerte aber bis 2002, dass mit "Vertraut" ein erstes richtiges Ausrufungszeichen auf einer Compilation veröffentlich wurde. Seither gab es zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt das großartige Album "Math & Emotion". Und man findet gar nicht ausreichend Superlative um diese Band zu würdigen. Denn selten gelingt es heute noch Bands etwas Eigenes zu schaffen. Auch wenn ich mich an dieser Stelle wiederhole - dafür kämpft sich der Musikfreund doch durch die unzähligen Veröffentlichungen. Aus meiner Sicht ist die Neuauflage von "Vertraut" ein schöner Grund zu feiern. Und weil klangstabil eben anders sind, ist diese Veröffentlichung trotz der typischen Zutaten (Remixe und unveröffentlichtes Material) einmal mehr eine kleine Perle. Das treibende Original mit seinen Sprachsamples ist immer wieder ein Genuss und kein Freund elektronischer Musik darf diesen Song ignorieren. Und die meisten der namhaften Bearbeiter geben dem Song eine eigene Note. Torsten Wendt (Diorama) lässt den Hörer träumen, Synapscape regt schon fast zum Tanzen an und Daniel Myer verbindet beides. Insgesamt sorgen die großen Namen dafür, dass man meint, einer hochwertigen IDM-Zusammenstellung zu lauschen. Trotz der immer wieder eingesetzten Samples und dem immer aufgegriffenen Themas des Originals. Zum Abschluss gibt es zwei Songs, die für das nie veröffentlichte Album "Kopfmusik" eingespielt wurden. Zwar handelt es sich "nur" um atmosphärische Songs, die das Thema durch weitere Sprachsamples vertiefen. Die Musik unterstreicht aber sehr gelungen, die Intensität, die solchen Dialogen innewohnen kann. Und der Titel dieses unveröffentlichten Albums trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist faszinierend. Und da ich gerade im WM-Fieber bin, versuche ich mich an einer Sport-Metapher (hört, hört). Warum sieht bei einem Thomas Müller alles ein wenig eigenartig aus. Schlacksige Figur, dünne Beine und die Schienbeinschoner drohen bei jeder Ballberührung abzufallen. Aber er schießt die Tore. Modellathlet Mario Gomez hingegen will bei allem Einsatz nichts gelingen. So ist es hier auch. klangstabil und ihre Musik sind nicht hart oder besonders auffallend. Eigentlich machen sie sogar Popmusik. Aber sie sind etwas Besonderes und darum treffen die CDs eben den Nerv bei vielen Zuhörern. Nahezu weltmeisterlich.


nerotunes.com [07/2010]
Es gibt nichts Schöneres als zu erfahren, dass eine persönlich hoch favorisierte Band einen neuen Release heraus bringt. Dem angemessen hoch war die Freude auf die neue EP von KLANGSTABIL: "Vertraut". KLANGSTABIL verfolgen mich (oder ich sie) schon seit vielen, vielen Jahren. Es ist meine persönliche "Aufbau-Zeremonie", den Klängen der (in meinen Ohren) Klangforscher zu lauschen, wenn es mir in irgendeiner Form nicht gut geht. Gleichermaßen beliebt beim Autofahren, Tanzen im Club oder einfach nur um abzuschalten, einen klaren Kopf zu bekommen. Nun bringen sie das "Aufbau-Stück" Nummer 1 auf einer EP mit acht verschiedenen Remixen heraus! Na wenn das mal kein Zeichen ist. KLANGSTABIL verbinden Emotion mit industriellen Klängen, wie ich es bisher von keiner anderen Band kenne. Jeder Ton scheint ein eigenes Leben zu haben. KLANGSTABIL ist ehrliche elektronische Musik, ohne Klischee, nicht aufgesetzt. Mit dem Song "Vertraut", welcher bisher noch nicht in physischer Form erschienen ist, "vertrauten" sich Maurizio Blanco und Boris May nun einem ausgesuchten Musikerkreis an, um diesen Song in verschiedenen Versionen neu "erklingen" zu lassen. Mit von der Partie sind somit Torben Wendt (DIORAMA), Daniel Myer (HAUJOBB, DESTROID, ARCHITECT), ACCESS TO ARASAKA, der britische Electro-Künstler Keef Baker, SYNAPSCAPE, L'OMBRE, SOMATIC RESPONSES und Maurizio selbst unter dem Pseudonym KSDJ. Über das Original braucht man nicht mehr viel an Worten zu verlieren, ist dieses aus der Clublandschaft nicht mehr wegzudenken und demzufolge den meisten von uns schon einmal zu Ohren gekommen, "vertraut" eben. "Vertraut" ist einer der am eindeutigsten aufzeigenden Songs, dass Kontraste sehr viel Stimmung erzeugen. Gefühle und somit auch Zerbrechlichkeit sowie melancholische Streicher, gereiht an harte, harshe Töne, strikten Rhythmus. Es kommt dabei nicht nur Gänsehaut auf, es läuft einem eiskalt den Rücken herunter, wenn man bedenkt, dass das alles Realität ist, was in dem Song zum Ausdruck gebracht wird. Es ist mutig, es ist herzzerreißend, es ist der Wahnsinn, wie viel Ehrlichkeit darin steckt und vor allem dabei rüberkommt. Genau diesen Aspekt hat jeder Remixer für sich auch erkannt . Jeder einzelne Remix spricht für sich. Es ist einfach so, dass sich jeder der Herren Mühe gegeben und in den Song, in die Situation hinein versetzt zu haben scheint. Denn auch jeder der Remixe zeugt von Charakterstärke und Empfinden wie das Original selbst. Die Briten SOMATIC RESPONSES haben es eher auf Rhythmus abgesehen. Hier scheint ein wenig Aggression und vielleicht auch Wut zum Ausdruck zu kommen. Oder noch besser, ein gewisses "Aus sich heraus stampfen", was meines Erachtens auch eine sehr gute Ansichtsweise der Situation ist. Torben Wendt hingegen legte sehr viel Wert auf Melancholie, Melodie und Harmonie. Schon allein der Titel seines Pendants "For A Friend" zeugt von sehr viel Stärke und Anmut. Dieser Remix geht fett voran, tief rein und erregt einen in jeglicher Hinsicht. Die gekonnt platzierten Gitarrenparts untermalen den melancholischen Grundcharakter noch besonders. Die Ambient-Formation ACCESS TO ARASAKA aus NY lässt einen förmlich eintauchen in die Gefühlswelt von KLANGSTABIL. Hier bekommt man ganz im Stile des Ambient eine Fülle an tiefgehenden Strukturen und eine Geräuschekulisse, die sich ebenfalls hören lassen kann. Keef Baker verbindet "Vertraut" mit einem Wolkenbruch und lässt als Einleitung in seinen Remix Regentropfen plätschern. Auch hier stehen Harmonie und Gefühl im Vordergrund. 70th like Klänge, Melodie, Drums und Gitarrenklänge verschmelzen zu einem Ganzen und verursachen die nächste Gänsehaut. Die Bielefelder SYNAPSCAPE betonen anfangs sehr die Gesprächsaufnahmen, ummanteln diese mit vielen hohen Tönen und industriellem Rhythmus, bevor man in der Fortsetzung gehörig Rhythmus und Beat auf die Ohren bekommt. Auch hier heißt es wieder, "aus sich heraus gehen" und "nichts in sich hinein zu fressen". Kontrast steht auch bei Daniel Myer im Vordergrund, bekommt man anfangs die "vertraute" Melodie in Form von klingenden Tönen und passenden Akustikgitarren-Melodiebögen eingeläutet. Die einzelnen Stilelemente des Songs scheinen irgendwie miteinander zu kommunizieren. Das müsst ihr euch einfach selbst anhören. Der Song baut sich vom Rhythmus her langsam auf. Es scheint so, als würden die Beats (die immer lauter werden) versuchen, die Melancholie wegzudrücken. Schmerz und Trauer kommen zum Ausdruck, doch dadurch, dass die Gesprächsaufnahmen einfach verzerrt und von den Beats förmlich weggeblasen werden, vernimmt man eine Art Erlösung. Die Grundmelodie von "Vertraut" klingt am Ende einfach nicht mehr melancholisch, sondern eher befreiend. Wahnsinn! KSDJ, wie bereits erwähnt, Maurizio in persona, hat sich der Situation seines Bandkollegen und Freundes Boris persönlich angenommen und gebührt ihm damit auf musikalische Art und Weise seine Anteilnahme, unterstützt ihm in dieser schweren Lage und hilft ihm dadurch, den Boden unter den Füßen wieder zu finden. Gekonnt platziert er Rhythmus neben Tonfolgen und zaubert einen mit seinem Remix zudem noch ein Lächeln auf die Lippen, setzt er am Ende einfach nur die folgenden Worte ein: "Einen Partner oder eine Partnerin suchen wir uns ja nicht aus Zufall, sondern das hat ja was mit uns zu tun. Ein Gegenstück. Ob das uns wohl vertraut ist oder genau das Gegenteil." Passender hätte er die Worte an seinen Kollegen nicht richten können. Damit kommt zum Ausdruck, dass die Partnerschaft (KLANGSTABIL betreffend) von großem Vertrauen zwischen Boris und ihm selbst zeugt. Als letzter Remix ist der auf Rhythmus und Klangforschung bedachte, teilweise arhythmische ?Rejected Remix? der Kanadier L'OMBRE zu hören. "Reject" kann man mit "zurückweisen" oder auch "von sich weisen" übersetzen und ich denke, dass hier wohl eher zweiteres zutrifft, werden KLANGSTABIL und v. a. Boris nun das Kapitel "Vertraut" zuschlagen und in die Zukunft blicken, was auch die beiden darauf folgenden Stücke "Zweiter Schritt" und "Ein Schritt Weiter" beweisen. Im "Zweite[n] Schritt" bekommt der Hörer noch tiefere Einblicke in den Dialog zwischen Boris und seiner Gesprächspartnerin. Unterstrichen wird dieser mit Filmmusik reifen Arrangements. Die Frage, warum Boris diese Gesprächsaufnahmen in die Musik mit einbauen möchte, ob für die Person, um die es in den Gesprächen geht oder ob es für ihn selbst ist, bleibt offen. "Ein Schritt Weiter" bringt Ruhe und Befreiung mit sich und ist als Schlussakt der Thematik "Vertraut" zu begreifen. Das Ergebnis ist einfach nur umwerfend, gleicht kein Remix dem anderen und hat jeder der "Ansichten" eine eigene Perspektive. Maurizio und Boris können sich glücklich schätzen, dass die Remixer eine mehr als nur hervorragende Arbeit geleistet haben. Es gibt viele Remixe von vielen Songs und viele sind einfach nur aus den Fingern gezogen. Aber auf "Vertraut" vereinen sich Stücke, die vor Erregung, Mitgefühl und Ehrbarkeit nur so strotzen. "Vertraut" ist ein Release, von welchem sich so mancher Künstler (und hier meine ich das Wort Künstler eher im Sinne von KÜNSTlich) eine große Scheibe abschneiden sollte. Hier geht es fernab jeglicher KÜNSTlichkeit, Zierde, Eitelkeit und Unehrlichkeit um Offenheit, Courage und v. a. um Harmonie, um das Miteinander und um die Liebe zur Musik, welche man bei jeden einzelnem Ton heraushören kann. Von der Seele für die Seele eben.


thedside.it [07/2010]

Il ritorno di Maurizio Bianco e Boris May colma l'attesa tra i due anni che separano il new-ep "Vertraut" dai semispenti echi di "Math & Emotion", album di rappresentanza del duetto tedesco promosso dalla Ant Zen e dedito ad un interessante quantomeno noto concetto electro-industrial. Lo spectrum produttivo del progetto è assai vasto avendo esso in attivo numerose pubblicazioni suddivise tra 12", 7", remix, compilations e lp's che dal 1994 sgorgano dall'ispirazione dei due musicisti. Un lavoro irrealizzato, "Kopfmusik" del 2002, includeva la versione originale di "Vertraut"; delle undici tracce presenti nell'ep ora in esame ben nove sfoggiano il celeberrimo titolo quì riprocessato da electro-artisti di fama i cui risultati costituiranno la gioia dei dj's, dei fans, del popolo dei dance-floors o, più semplicemente, dell'ascoltatore devoto ad un'elettronica europea di pregevole fattura ed a tratti perfino ricercata. Nulla di innovativo o di particolarmente illuminato, del resto i Klangstabil non intendono dedicarsi ad una nuova trascrizione del concetto electro-alternativo ma semmai all'interpretazione di una delle sue innumerevoli prospettive, dimostrandolo direttamente in questa release con l'omonima e strumentale "Vertraut (Original Version) e le sue introduzioni classicamente german-electro costituite da teutonici dialoghi male-female su una suggestiva base di synth nel cui successivo sviluppo assumono corpo un pulsante industial-drum-programming, electro-noises ed tutti gli artifici strumentali che normalmente intelaiano songs appartenenti al generis. Avanzando nella title-track incontriamo "Vertraut (Nostalgic Remix by Somatic Responses)", ornata da eccellenti sonorità "spaziali", echi e dilatazioni percussive succeduti dalla re-invenzione della traccia in chiave electropop-rock a cura del membro dei Diorama, Torben Wendt, che offre il suo contributo nominandolo "Vertraut (For A Friend Remix)" arricchendolo con misurate scie di chitarra. Un'elegante e cerebrale metamorfosi idm del tema la si assapora in "Vertraut (Neural Chernobyl Remix by Access To Arasaka)" seguita dalle malinconiche stesure post-rockeggianti di Keef Baker, musicista di Leeds il quale propone la song in versione "Vertraut (Wizballs Out! Remix)". Background elettronico iper-elaborato, atmosfere cristallizzate e drumming d'acciaio per "Vertrout (Ostball Remix by Synapscape)" e più innanzi con l'inconfondibile tocco del geniale Daniel Myer il quale conferisce al titolo un'apprezzabile venatura Haujobb. "Vertraut (What Do You Want Remix by Ksdj)" impiega maestose rielaborazioni tecnologiche re-inventate personalmente da Maurizio Bianco ed adattate strategicamente alle piste mentre la neurologica "Vertraut (Rejected Remix by L'Ombre)", costellata di breakbeats ed atmosferiche pianificazioni electro-ambient, chiude la genealogia di "Vertraut" per aprire agli ultimi due capitoli tratti dagli archivi del progetto: l'angosciato colloquio a due di "Zweiter Schritt (Pre-Version On A Way)" ed infine le analoghe fattezze soniche di "Ein Schritt Weiter" improntata anch'essa su fraseggi, questa volta unicamente femminili, circondati da un caldo, struggente apporto tastieristico. Ep formalmente completo, un convincente flashback all'interno del repertorio Klangstabil da sempre così austero, così profondo. -|-|-» La virtù del fascino e la capacità di esternare il senso del dramma. La combinazione di questi due elementi forgia prodotti come "Vertraut", efficace strumento per recuperare soluzioni electro non palesemente sottoposte ad ovvietà di mercato nè a schemi semplicistici. Definirei questo concetto di fondamentale rilevanza.